Die Suppe lügt. Zumindest die aus dem Rezept der aktuellen Gong-Fernsehzeitung (Heft 39/2009), die bei meinen Eltern rumlag. Da ich ein großer Fan des Kürbis bin, haben mich die herbstlichen Rezepte, die in dieser Ausgabe zu finden sind, natürlich besonders interessiert.
Zu meinem Entsetzen fand ich dort nebenstehendes Rezept: Heißer Topf mit Chili und Koriander? Klingt ja wirklich lecker und auf den ersten Blick auf jeden Fall wert, einmal nachgekocht zu werden.
Beim genaueren Lesen der Zutatenliste fällt jedoch auf: Wo bleibt der Kürbis?
Über die Empfelung des Bäh-tolli Olivenöls kann ich ja gerade noch so hinwegsehen. Aber tatsächlich stammt der für dieses Rezept zu verwendende Kürbis aus einem Knorr-Beutel. Man verfeinere diesen
mit Chili und Koriander (HA! Welch ein Feinschmecker muss man sein, um den armen Koriander unter der Knorr-Geschmacksverstärker-Flut überhaupt noch erkennen zu können!). Doch es kommt noch besser: Man gebe dieses wunderbare Gericht ZUM SERVIEREN in einen ausgehöhlten Hokkaido-Kürbis. Nur für die ganz Unwissenden: Das ist ein Speisekürbis. Eigentlich sollte man genau selbigen ESSEN, und nicht (nur) als Tellerersatz missbrauchen. Denn tatsächlich ist nur vom Entfernen der Kürbiskerne die Rede. Das Fruchtfleisch kann also ruhig im Kürbis belassen werden – wozu sollte man es auch brauchen? Das gibt’s doch schließlich alles in der Tüte zu kaufen.
Natürlich ist es nicht bei bloßem Entsetzen geblieben, ich wollte mich über die Tütenkürbissuppe schlau machen und ihren Inhalt genauer unter die Lupe nehmen. Nur schade, dass im von mir aufgesuchten Supermarkt (Rewe im Leipziger Hauptbahnhof) überhaupt keine Kürbissuppe zu haben war. (Vielleicht hat die Tütenkürbis-Saison noch nicht angefangen?) Ich setzte meine Suche online fort und konnte auch auf www.knorr.de im aktuellen Sortiment die genannte „Feinschmecker Kürbiscreme-Suppe“ nicht finden. Der Vollständigkeit halber – auch bei Maggi ist diese nicht vorhanden, es gibt jedoch zahlreiche Kürbis-Rezepte, die allesamt richtigen Kürbis beinhalten! Ganz im Gegensatz zur Fernsehzeitung weiß man also sogar bei Maggi offensichtlich ein klein wenig übers Kochen.
Nun aber zu dem, was ich gefunden habe. In einem Testbericht auf ciao.de fand ich folgende Zutatenliste (Knorr):
Gehärtetes pflanzliches Fett, Stärke, Kürbis 17%, Weizenmehl, Vollsalz, Zucker, Milchzucker, Hefeextrakt, Milcheiweiß, Würzmittel, Gewürze, Knoblauch, Petersilie.
Es scheint diese Suppe also mal im Knorr-Sortiment gegeben zu haben. Auch das Konkurrenzprodukt von Maggi mache ich schließlich ausfindig. Die Liste der Inhaltsstoffe fällt hier deutlich länger aus.
Reismehl, Kürbis 12,6%, geröstete Kürbiskerne 9,8%, Sojaöl gehärtet, modifizierte Stärke, Kartoffeln, Jodsalz, Zucker, Apfelpulver, Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat, Guanylat, Inosinat
Sonnenblumenöl, Milchzucker, Hefeextrakt, Gewürze, Maltodextrin, Aprikosenpulver, Milcheiweißerzeugnis, Gewürzextrakte, Emulgator E 472e, Curry (mit Sellerie), Verdickungsmittel Guarkermehl, Aroma (mit Weizen), Säuerungsmittel Citronensäure
[Spuren: Eier]
Ich kann und will nicht jeden dieser Bestandteile recherchieren und hier genau beschreiben. Doch die jeweilige enthaltene Kürbismenge (17% bzw. 12,6%) spricht, denke ich, für sich. Bei Mononatriumglutamat (E621) und Hefeextrakt handelt es sich um Geschmacksverstärker, das sind also die kleinen Tiere, die die 83% bzw. 87,4% fehlenden Kürbis ausgleichen sollen…
Ich will mich gar nicht länger darüber aufregen. Nur so viel: Ein Rezept, das im Prinzip daraus besteht, eine E-Suppe aufzupeppen abzudrucken ist fragwürdig, aber beispielsweise unter einer Rubrik wie „schnelle Küche“ durchaus denkbar. Vom Konsumenten zu verlangen, die aufgepeppte E-Suppe im armen hilflosen, Kürbis zu servieren, der zwar von den Kernen befreit wurde, dessen Fruchtfleisch aber verschmäht wurde, ist eine große Schweinerei.
Für alle Interessierten, hier noch zwei Links zum Thema: www.foodwatch.de und www.abgespeist.de. Hier wird die Thematik das was draufsteht vs. das was drin ist genau unter die Lupe genommen.



bäääh! widerlich! habe neulich alle maggie/knorr und was weiß ich tütchen aussortiert und versuche sie seitdem zu verschenken, aber keiner will sie haben (ich denke, alle kochen damit, schämen sich aber dafür…).
seltsam diese zeitung…….der arme kürbi….
ich bekomm schon nen „rückwertsesskrampf“ wenn ich citronensäure lese, das ist nämlich nichts anderes als ein SCHIMMELPILZ! jawohl…bäh bäh bäh!
………chocomole such……………..
Netter Artikel! Ist doch immer wieder erfreulich, wenn man eigene Gedanken bei anderen entdeckt!
Schon witzig, dass es neben Rezepten in Zeitngen tatsächlich auch Kochbücher gibt, die Tüten und Fertigscheiß propagieren…ich habe auch das ein oder andere, in dem damit gekocht werden soll. Ich improvisiere dann immer, oder mache das Gericht nicht.
Schonmal versucht, Sahne ohne Carregeen zu kaufen? Geht fast nicht mehr. „Der Kunde will das so“.
Mal sehen, wann sich das wieder ändert…